Die Geschichte des Opel Calibra (by Pille)

Der Calibra war von 1990 bis 1997 bei Opel im Angebot und eines der schönsten, innovativen Sport Coupés seiner Zeit.

Zum Ende der 80er Jahre galt es für Opel gegen die drohende Coupé-Übermacht aus Japan ein Produkt zu schaffen, das zum einen sportlich ist aber doch ökonomisch, ein Coupé mit trotzdem viel Platz und guter Ausstattung, das den hohen Ansprüchen auf deutschen Strassen gerecht wird und das alles zu einem vergleichbar niedrigen Preis. Die Marknische wollte man nicht den Japanern überlassen, denn auch Firmen wie Ford oder VW reagierten in diesen Jahren mit der Entwicklung des Probe bzw. Corrado.

Als 1989 der Calibra auf der IAA in Frankfurt, von Steffi Graf der Öffentlichkeit präsentiert wurde, erregte er gleich Aufsehen. Mit dem Design von Erhard Schnell, hatte man nicht nur ein optisch schönes Coupe gebaut, sondern auch endlich ein Konkurrenzprodukt zu den vielen Coupés aus Japan.

1989 war der Calibra technisch ein wegweisendes Auto, mit starken Motoren und mit einem sehr guten Preis-Leistungsverhältnis. Auch im Motorsport bewegte der Calibra einiges aber dazu in einem anderen Artikel mehr.

Von der Presse und Öffentlichkeit gefeiert, gab es schon 1989 für den Calibra gleich eine ganze Reihe von Designpreisen. Letztendlich war es Erhard Schell gelungen einen schönen Wagen zu bauen und trotzdem den bis dahin besten CW-Wert für Serienfahrzeuge zu erzielen. Mit 0,26 CW für den C20NE hat er einen Weltrekord erreicht der sich selbst nach über 10 Jahren noch nicht verstecken muss und ganz vorne liegt.

Daraus resultierte auch ein sehr günstiger Verbrauch in dieser Leistungsklasse, sowie auch für die Zeit eine ansehnlich Vmax. Selbst der kleinste Calibra rannte gut über 200 km/h, das war 1990 noch nicht selbstverständlich.

Trotz der Coupé-Form ist der Calibra ein vollwertiges 4 Personen Fahrzeug geworden, das einen Kofferraum mit über 300 / 980 Litern Fassungsvermögen hat. Mit weit öffnenden Türen erleichtern den Einstieg. 1989 war das Design noch sehr futuristisch und ein Wagen aus dieser Klasse, in dieser Grösse noch völlig unbekannt.

Der auf der IAA vorgestellte Calibra basierte auf dem Vectra A von 1988. Aus der Grosserienfertigung wurde viele Teile übernommen, so das sie die Probephase schon im Vectra hinter sich hatten. Die Bodengruppe, das Cockpit und die Motoren waren somit alte Bekannte.

Das gezeigte Modell hatte den C20XE Motor mit 150 PS und einen neu entwickelten Allradantrieb Antrieb. Der Allradantrieb ist permanent mit automatischer Kraftverteilung durch eine Viscokupplung und wurde bei Magna Steyr in Österreich gefertigt. Die Momentverteilung des 4x4 wurde automatisch den Strassenverhälnissen angepasst und sorgte immer für ein ausgezeichnetes sicheres Fahrverhalten.

Der C20 XE Motor ist der beste Motor seiner Klasse, so damals die Presse und Fachwelt. Einige Jahre später konnte er das auch als Basis Motor in der Formel 3 (Dallara Chassis), mit viel Erfolg bestätigen, auch in der Weiterentwicklung zum Turbo oder als Basis Motor für Tuner, konnte er seine Qualität beweisen. Mit einem Wirkungsgrad von 37% ist das derzeitige Optimum erreicht.

Vorgesehen war zur Einführung des Calibras ein Angebot mit einem weiteren Motor, dem schon bekannten C20NE mit 115 PS. Den C20NE gab es schon 1986 im Kadett GSI, damals als stärkster Vierzylinder, so auch im Omega und in vielen anderen Modellen von Opel. Seine Qualität als einer der letzten grossen zwei Ventiler hatte er hinlänglich bewiesen. Sicher war er nicht der neuste Motor aber in der Einstiegsklasse ein bewährter, schneller und günstiger Motor, mit guten Verbrauchswerten.

Als Serie sollten die beiden Modelle Frontantrieb haben, das 4x4 konnte kurze Zeit später zusätzlich ins Angebot aufgenommen werden.

Auch die Ausstattung konnte sich sehen lassen. Recarositze, Grünkeil bzw. grüne Wärmeschutzverglasung, Servolenkung, ABS, 4 Scheibenbremsen, vorne innenbelüftet gehörten schon zur Grundausstattung, das war damals erst bei sehr teuren Autos der Fall. Selbst der fast 10.000 Mark teurere, gerade neu erschienen BMW 318i (115 PS)konnte nur hinten mit Trommelbremsen aufwarten.

Hinzu kamen noch viel Kleinigkeiten, die damals neu oder bei anderen Fahrzeugen nur im teuren Zubehör zu finden waren. Rücksitzlehnen asymmetrisch umklappbar, Sicherheitsgurte alle vier mit Automatik, so wie die vorderen auch in der Höhe einstellbar, Warnsummer für Scheinwerfer, elektrisch und beheizbare Aussenspiegel usw.

Die Scheinwerfer mit der neu entwickelten Ellisoid-Technik erlaubten nicht nur eine grössere Lichtausbeute als bei herkömmlichen Scheinwerfern, sondern auch ein besseren hell/dunkel Rand und das bei kleineren Scheinwerfern, die ein wesentliches Merkmal der Fahrzeugoptik sind. Damals eine Sensation und ein Bestandteil des guten CW-Wertes, genauso wie die fugenlosen integrierten Stossfänger, die flächenbündig eingeklebten Scheiben usw.

Auch die Fahreigenschaften sind klasse, wie viele Tester diverser Motor-Magzine aus aller Welt berichten. Sicheres Fahrverhalten in jeder Lebenslage, tolles Fahrwerk, auch für weniger sportliche Fahrer war selbst auf Schlaglochstrecken der Federungskomfort ausreichend, insgesamt sehr ausgewogen, so die Presse.

Ebenfalls war der Gedanke an Umweltschutz auch bei Opel ein wesentliches Thema geworden. So rüstete Opel als erster Hersteller in Europa ab 1989 alle Modell seiner Palette serienmässig mit Katalysator (3-Wege-Kat) aus, so auch den Calibra. Als erster Autoproduzent entwickelte Opel auch einen Recyclingkreislauf für Kunststoffe.

Das Einstiegsmodell sollte 1990 nur 33.900,- DM (17.333,- €) kosten und damit war der Calibra ein ernster Gegner für Celica, MR2, MX 3 usw., der Verbrauch war günstig und die Form sprach emotional an, die Ausstattung gut. Dem Erfolg stand nichts im Wege.

1989 wurden 32 Calibras fertiggestellt und 1990 weitere 29357 Calibras gebaut. Im Juni 1990 begann die Auslieferung an die Händler.

Die Nachfrage war im ersten Jahr so gross, da sich Opel nach weiteren Produktionsstandorten umsehen musste. Die wurden auch schnell gefunden, so wurde der Calibra ab 1991 auch in Finnland, Uusikaupunki, von der Firma Valmet Automotivegebaut. Den in Finnland gebauten Calibras wird eine besser Rostvorsorge nachgesagt als den Rüsselsheimer Calibras. Immerhin wurden in Finnland in der gesamten Calibra Produktionszeit über 90.000 gebaut.

1991 wurden schon 67.454 Calibras gebaut und auch über die Schwesterfirma Vauxhall in vielen Ländern vertrieben. Ab 1992 wird auf Basis des C20XE der erste Vierzylinder Turbo von Opel entwickelt, massgeblich daran beteiligt ist Fritz Indra, der sich schon einen guten Namen in der Formel 1 zur Turbozeit gemacht hatte. Unter seiner Riege entsteht ein Motor, der mit vielen Neuerungen im Bau von aufgeladenen Systemen aufwarten kann. Im Vergleich zum Sauger konnte das max. Drehmoment und die max. Leistung um 42% bzw. 36% angehoben werden, ohne dass sich der spezifische Verbrauch nenneswert verschlechtert hat. Abgasemission und Lautstärke waren ohnehin besser bei einem Turbo. Mit 6,8 sek. für 0-100 km/h und 204 PS, war er zu der Zeit einer der ganz schnellen Autos auf unseren Strassen und kann auch heute noch sehr gut mithalten. Das integrale Turboladesystem, eine der wichtigsten Neuerungen, war massgeblich am Erfolg beteiligt. Da der Turbo aufgrund der Leistung nur mit dem 4x4 System gebaut wurde, mussten auch dort die Gehäuse des Planetensatzes so wie die Lagerung der Vicokupplung und die Kardanwelle verstärkt werden. Ebenfalls neu war das 6-Gang Getriebe F28, das den bisherigen Grenzen von 200 Nm überschreiten konnte und in der Übersetzung den Geschwindigkeiten angepasst wurde.

Der C20LET (Turbo) wurde dann erstmals in der zweiten Jahreshälfte 1992 an die Händler ausgeliefert und zu einem Kampfpreis von 49.800,- DM (25.462,- €) angeboten.

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